Satelliten oder knurrender Schnee?
Boswil Der 1. Freiämter-Agro-Träff 2000 befasste sich vor allem mit dem Wetter

Wettervorhersager Alex Rubli,
Peter Suter und Jakob Brändli (im Vordergrund) am 1.
Freiämter Agro-Träff in Boswil. Foto ES
Mit dem Wetter muss sich jeder Bauer von Berufes wegen befassen. Das tun auch Alex Rubli und Jakob Brändli von der Meteoschweiz. Am 1. Freiämter Agro- Träff gesellte sich noch der Muothataler Wetterfrosch Peter Suter dazu -und fertig war der Einblick in die sehr unterschiedliche Welt der Wettervorhersager.
EDDY SCHAMBRON
Es sei ihm «schier schlecht» geworden, als er den Meteorologen Alex Rubli von den vielen Millionen sprechen gehört habe, welche die heutigen technischen Hilfsmittel zur Wetterbeobachtung und wettervorhersage kosten, sagte Peter Suter, Wetter- frosch aus dem Muothatiil, der «auf Bein, Auge und Ohr vertraut und auf den kleinen Computer da oben» -er zeigte auf die Stirn. Es prallten in Boswil buchstäblich zwei Welten aufeinander, was aber gerade bei den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern am 1. Freiämter Agro- Träff das Interesse weckte. Organisiert wurde das Treffen vom Freiämter Landwirtschaftsverein zusammen mit der Bäuerinnenvereinigung; Informationen einerseits und der Kontakt unter Bäuerinnen und Bauern anderseits sollten dabei im Vordergrund stehen, wie Othmar Vollenweider, Oberrüti, der durch das Programm führte, erklärte.
Daten von überall
«Die Wetterprognosen sind so gut geworden, dass das Wetter manchmal nicht mehr mitkommt», meinte Rubli und zeigte nicht nur die Entwicklung der Meteorologie mit der Gründung der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt 1880 auf, sondern gab einen Überblick über die heutigen Mittel, mit welchen das Wetter beobachtet wird. AIlein in der Schweiz gibt es 70 automatische Messstationen, die im 10-Minuten- Rhythmus die Daten zu Meteoschweiz melden, es gibt drei WetterRadarstationen und vielleicht «haben die Bauern in zehn Jahren ein Display im Traktor, auf welchem immer die neusten Wetterdaten via Internet abgerufen werden». Vier geostationäre Satelliten beobachten auf der ganzen Welt die Wetterent- wicklungen, 39000 Bodenstationen, 4000 Bojen im Meer, 45 000 Schiffe, 2000 Ballone mit Sonden und 30000 Flugzeuge liefern täglich rund um die Uhr millionenweise Daten, mit welchen leistungsstarke Computer gefüttert werden. «Wir wissen heute zu jeder Zeit an jedem Ort, wie das Wetter ist», machte Rubli klar. Was aber noch keine Garantie für 100-prozentige Zuverlässigkeit der Wetterprognosen bedeutet: «Es braucht die Erfahrung des Meteorologen, die Daten richtig zu deuten. Und manchmal auch etwas Glück», meinte Rubli. Eines war jedoch schnell klar: «Meteorologen schauen für ihre Arbeit nicht mehr viel zum Fenster hinaus.»
Dem Schnee zuhören
Ganz anders der Muothataler Wetter- frosch
Peter Suter, der «Wetterentwicklungen hört, sieht und
fühlt und deshalb seine Wetterprognosen praktisch
ausschliesslich in der freien Natur macht. Das sei früher bei
den Bauern noch üblich gewesen, die hätten die Zeichen der
Natur noch gesehen und deuten können. «Die Natur hat
Gesetze, die sich wiederholen.» Und wer genau hinzuschauen
vermag, wer im Herbst etwa schon grosse Knospen an den Bäumen
ausmacht, der weiss, das gibt einen späten Frühling, weil
die Natur schon etwas vorausgearbeitet hat. Gute Zeiger sind auch
Waldameisen oder Vögel. «Die Tiere fühlen das Wetter,
was wir übrigens auch könnten, wenn wir nicht so
abgestumpft wären», betonte der Wetterfrosch. Für die
Langzeitprognose von sechs Monaten beobachtet er die Natur nur auf
1500 bis 2000 Metern über Meer, «hier unten ist ja alles
überdüngt». Er hört auf die Vögel und blickt
auf Tannen und Knospen und schaut den Weinberg- und
Häuschenschnecken genau zu, «obwohl es bald keine mehr hat,
weil der Kunstdünger alles verchaibet». Der Wind hat
verschiedene Töne, die gedeutet werden können, für die
Prognose des Sommerwetters hört er auch dem Schnee zu, «ob
er chnurret oder mur- ret», und im Frühling hat er ein
besonderes Auge auf den Nussbaum und die Eiche. Und der drahtige
Mann, der schon viele Berge bestiegen hat und schon viele tausend
Kilometer in der Natur marschiert ist, hat auf die Frage von Othmar
Vollenweider, welches denn seine liebste Bauernregel sei, auch eine
klare Antwort: «Kräht der Hahn auf dem Mist, bleibt das
Wetter, wie es ist. Steigt er aber auf das Huhn, hat das mit dem
Wetter nichts zu tun.»
Am 1. Freiämter «Agro- Träff» sorgten ein grosses
Mittagsbuffet für das leibliche Wohl der Gäste und die
«Silias» aus Muri für angenehme musikalische
Unterhaltung.
Ein Internetcafe im Foyer machte mit dem weltweiten Datenaustausch
bekannt und Jakob Brändli von der Meteoschweiz stand den
Freiämter Landwirten für Fragen rund um die Wetterprognosen
weiter zur Verfügung. Und nicht zuletzt wurden das
gemütliche Beisammensein und der Gedankenaustausch
genossen.
Die Gewinnerinnen und Gewinner des Fotowettbewerbes
Die ersten drei Plätze erreichten: