Yak oder Glasscherben: Der Wille
zählt viel
Merenschwand: "Agro-Träff"
wünscht "Motivation statt Resignation" in der Landwirtschaft

Unverletzt: Barfuss auf Glasscherben
stehen ist auch für Landwirte möglich. (Foto:
es/AZ)
Motivation statt Resignation haben sich die Freiämter Bauern auf die Fahne geschrieben. Am Freiämter "Agro-Träff" in Merenschwand wurden sie aufgemuntert, die Zukunft auch mit unkonventionellen Methoden anzupacken.
Barfuss über Glasscherben
Am Schluss seiner Ausführungen liess der Motivationstrainer
Andreas Lüthi am Freiämter Agro-Träff drei Personen
aus dem Publikum barfuss auf Glasscherben stehen. "Ihr könnt
das, wenn ihr wollt". Das war das Credo seines ganzen Vortrages:
Mutig voran gehen in die Zukunft, sich klare und ehrgeizige Ziele
setzen und diese konsequent verfolgen. "Weshalb verkauft ihr euch so
billig und lasst euch von Leuten beeinflussen, die von eurem
Berufsstand keine Ahnung haben", prangerte er unter anderem Politiker
an. Wenn die Bauern ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen, geht es
aufwärts, zeigte sich Lüthi überzeugt. "Eine Chance
findet der, der die Chance sucht", machte er den Landwirten Mut. Die
meisten Menschen hätten keinen Dunst, was ihre Fähigkeiten
sind, behauptete der Motivationstrainer. "Das Geheimnis des
Könnens liegt im Wollen", erklärte er. "Lerne aus den
Fehlern anderer, du lebst nicht lange genug, um alle Fehler selber
machen zu können". Und er unterstrich, "dass du der einzige
bist, der in deinem Kopf denkt". Niemand steht einem vor dem
Glück, "niemand ausser du selber". Man müsse bei sich
selber anfangen, wenn sich der Erfolg einstellen soll, man müsse
sich gegen die stetige Manipulation von Politikern und Medien, gegen
"den Seich" aus dem Fernseher wehren.
Alles beginnt mit einer Idee
Und weil "alles mit einer Idee beginnt", lieferte er den
Freiämter Bauern auch gleich ein paar davon, um aus der
gegenwärtigen Misere zu kommen: ein Melkseminar für Manager
etwa, oder Sommerheuen zum Stressabbau. Fitness und Wellnes auf dem
Hof würden sich auch vermarkten lassen, oder
Verwöhnwochenende für Senioren. Möglich wäre
auch, "das Schöpfli auszuräumen und eine Beiz daraus zu
machen". So oder so: "Wenn du die Welt verändern willst, beginne
bei dir selbst", zitierte er und mahnte: "Gib niemals
auf".
Yak-Züchter im Wallis
Einer, der nicht nur Sprüche klopfte, sondern einen anderen
Weg konkret umsetzt, ist Daniel Wismer aus Embhd im Wallis. Der
Flachländer, der auch schon im Oberfreiamt arbeitete, begann
nach einer Weltreise im Wallis auf einem kleine, stotzigen Heimetli
auf 1650 Meter über Meer Yak, tibetische Hochlandrinder, zu
züchten. Am Anfang hätten viele gesagt, "spinnsch, das goht
doch ned". Und ein Walliser Bauer habe erklärt, das sei etwa so,
wie wenn er "Leuen auf die Alp bringen würde". Doch der Erfolg
gibt dem langhaarigen blonden Bauern recht: Er hat mit 1,7 Hektaren
und einer Kuh angefangen, jetzt bewirtschaftet er 32 Hektaren, pflegt
44 Yak, ein Zebu, 16 Pfauen "und sonst noch einen halben Zoo". Heute
kommen die Leute aus halb Europa, um ihn zu besuchen und
Yak-Trekking-Touren fast wie in Nepal zu unternehmen. "So 400
Übernachtungen haben wir inzwischen pro Jahr", freut er
sich.
Eigenwillige Tiere
Geschenkt wurde Wismer der Erfolg nicht. Das nur zu Fuss
erreichbare Heimetli oberhalb des 300 Einwohner zählenden Dorfes
Embd war zwar "Liebe auf den ersten Blick", der erste Versuch mit
einer Walliser Ehringer-Kuh aber ernüchternd: "Ich habe gemerkt,
der Cheib frisst nur und gibt keine Milch". Dann hat Wismer aus einem
Zirkus das erste, 26-jährige Yak gekauft und per Helikopter auf
seine Weide fliegen lassen. "Es gab Leute, die sagten, aus so altem
Fleisch könne man vielleicht noch Keilriemen machen". Aber das
Yak-Trockenfleisch verkaufte sich problemlos, für 95 Franken das
Kilo. Und die begonnene Zucht liess sich gut an. Yak sind
ausserordentlich genügsame Tiere, trittsicher und weitgehend
frostunempfindlich, "wenn auch sehr eigenwillig". Deshalb müssen
sie für die angebotenen Trekking-Touren trainiert werden.
Dafür holt Wismer im Sommer einen Sherpa aus dem fernen Nepal,
um die Yak abzurichten. Der Trekk selber führt über den
2894 Meter hohen Augstbordpass. Auf diesem alten Römerweg erlebt
man eine praktisch unberührte Bergwelt. Für sich sieht
Wismer die Zukunft rosig: Yak-Fleisch ist gefragt, seine
Erlebnistouren ebenfalls, er hat in einen neuen Stall investiert und
das eines der drei Häuser auf der Alp zum modernen Ferienhaus
umgebaut.
Landwirtschaft verändert sich
Es müssen ja nicht Yak zwischen Lindenberg und Reuss weiden.
Die beiden jungen Bauern Michael Lang, Aristau, und Christian Keusch,
Boswil, sowie das Mühlauer Bauernehepaar Peter und Helen Suter
erklärten unter der Moderation von Othmar Vollenweider, wie und
wo sie ihre persönliche Zukunft in der Landwirtschaft sehen.
"Die Landwirtschaft verändert sich, wir müssen bereit sein
und und selber verändern, dann sind wir dabei", stellte Peter
Suter fest.
Organisiert hatten der zweite Agro-Träff der Freiämter Landwirtschaftsverein und die Landfrauen und Bäuerinnen. Musikalisch umrahmt wurde er vom Schülerchor Merenschwand, und nach dem Mittagessen sorgte "Schösu" für viele Lacher. (az/es/heh)