Hamburger und Red Bull - gut für Kühe?


Red Bull für Kühe?

Sonntagmorgen auf dem Hof von Elisabeth und Ruedi Heiniger in Villmergen.

Nach zwei Stunden Fütterungszeit im Stall wollen unsere Kühe Evita und Andrea plötzlich nicht mehr fressen. Beim Beobachten sehen wir, dass Evita Bauchschmerzen hat. Andrea ist der Appetit vergangen, ohne dass sie Krankheitssymptome zeigen würde. Wir versuchen es mit einer Gabel Heu. Andrea beginnt wieder zu fressen - Evita nicht. Sie scheint wirklich Schmerzen zu haben. Sie legt sich hin, steht wieder auf und schlägt mit ihren hinteren Beinen gegen den Bauch.
Was tun - den Tierarzt rufen - oder es mit einem Hausmittel probieren? Wir entscheiden uns für das Hausmittel - Kaffee mit Schnaps. Doch unsere Evita zeigt je länger je mehr Schmerzen. Der Kaffee hat diesmal nicht geholfen. Also nehmen wir das nächste Wundermittel aus der Hausapotheke - eine Flasche Coca-Cola. Das hat bei Durchfall auch schon geholfen. Hoffentlich steht noch eine im Keller. Vielleicht nützt das auch bei Bauchschmerzen. Mit dem Eingebegerät verabreichen wir Evita unser Hausmittel, indem wir ihr den Hals des Gerätes in den Schlund stossen. Evita erduldet die Prozedur und schluckt das Coca-Cola recht gut. Jetzt erhält sie noch eine Massage und ein paar Streicheleinheiten über ihren Bauch. Es scheint ihr zu gefallen. Sie dankt mir indem sie mich beleckt.
Nun möchten wir wissen, weshalb diese beiden Kühe plötzlich nicht mehr gefressen haben. Bei jeder Krankheit sollte man ja nach der Ursache forschen, und die war schon bald gefunden. In der Futterkrippe unter dem verschmähten Gras kam ein Beutel zum Vorschein. Der Inhalt - ein graues, stinkendes, undefinierbares Brot oder Pizzastück. Es könnte aber auch ein alter Hamburger gewesen sein. Dazu noch eine vom Ladewagen beschädigte Redbull Dose, die alles andere als frisch roch. Das muss ja einer Kuh den Appetit verderben.
Leider kommt das immer öfters vor, wenn wir entlang von Hauptstrassen eingrasen. Solchen Abfall finden wir wieder und wieder im Futter. Achtlos und gleichgültig aus dem Autofenster geworfener Abfall kann für uns Landwirte und vor allem für unsere Tiere ein Problem sein. Wenn wir den Güsel nicht sehen, bevor unsere Tiere einen Bissen davon erwischen, kann das für ein Tier den Tod bedeuten!
Besonders unangenehm sind die Glasscherben von weggeworfenen Flaschen, abgewickelte Tonbandkassetten, Styropor Verpackungen und Plastik. All das ist für unsere Tiere ungeeignet und schädlich.

Die Kuh Evita erholte sich wieder und genoss am Nachmittag das Gras auf der Weide. Einmal mehr - Glück gehabt! Und es sollte eigentlich nicht wieder vorkommen, wenn jeder seinen Abfall korrekt entsorgt.

Freiämter Landwirtschaftsverein FLV

Elisabeth Heiniger